Nacon und Bigben Interactive setzen Aktienhandel aus

Der französische Publisher Nacon hat den Handel seiner Aktien an der Euronext Paris vorübergehend aussetzen lassen. Hintergrund ist eine angespannte Liquiditätssituation beim Mehrheitsaktionär Bigben Interactive, die direkte Auswirkungen auf Nacon hat.

Wie Nacon am 20. Februar 2026 mitteilte, wurde die Aussetzung des Handels zum Börsenstart beantragt. Anlass ist eine Mitteilung von Bigben Interactive vom 17. Februar, wonach das Unternehmen nicht in der Lage sei, eine teilweise Rückzahlung einer Anleihe in Höhe von 43 Millionen Euro vorzunehmen. Nach Angaben von Bigben kam es zu einer unerwarteten Verweigerung der Auszahlung durch das beteiligte Bankenkonsortium.

Finanzielle Restrukturierung unter Aufsicht des Handelsgerichts

Nacon erklärt in der Mitteilung, dass die Situation beim Mutterkonzern erhebliche Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten habe. Die Liquiditätslage erfordere eine rasche finanzielle Restrukturierung mit den Gläubigern, um die Fortführung des operativen Geschäfts sicherzustellen. In diesem Zusammenhang prüft das Unternehmen die Inanspruchnahme von Verfahren zur Schuldenrestrukturierung unter Aufsicht des zuständigen Handelsgerichts.

Neben dem Aktienhandel wurde auch der Liquiditätsvertrag für die Nacon-Aktie ausgesetzt. Die Suspendierung bleibt bis auf Weiteres bestehen; eine weitere Mitteilung wird in den kommenden Tagen erwartet.

Enge Kapitalverflechtung

Bigben Interactive hält rund 57 Prozent des Aktienkapitals von Nacon sowie knapp zwei Drittel der Stimmrechte. Die wirtschaftliche und strukturelle Verflechtung beider Unternehmen erhöht die Abhängigkeit in der aktuellen Situation. Beide Seiten führen Gespräche mit Banken und Gläubigern, um Lösungen zur Stabilisierung der Finanzierung zu erarbeiten.

Die Bilanz der letzten Woche (KW 8 2026) von BigBen Interactive an der Euronext. - Bild Euronext
Die Bilanz der letzten Woche (KW 8 2026) von BigBen Interactive an der Euronext. – Bild Euronext

An der Börse standen die Papiere zuletzt deutlich unter Druck. Seit Wochenbeginn verzeichneten sowohl Bigben Interactive als auch Nacon Kursverluste von jeweils über 30 Prozent.

Marktposition und Kennzahlen

Nacon erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen IFRS-Umsatz von 167,9 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis von 1,1 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Mitarbeitende und ist mit 25 Tochtergesellschaften in über 100 Ländern aktiv. Nacon vereint 16 Entwicklungsstudios sowie Publishing- und Peripherie-Aktivitäten unter dem Dach der Bigben-Gruppe.

Zum Portfolio zählen unter anderem Kylotonn (Test Drive Unlimited: Solar Crown), Cyanide Studio (Blood Bowl) sowie Daedalic Entertainment in Hamburg. Darüber hinaus vertreibt Nacon die Motorsport-Simulation Rennsport der Münchner Competition Company.

Bigben Interactive beschäftigt weltweit mehr als 1.300 Mitarbeitende und ist im Bereich Gaming-Zubehör tätig, darunter Controller, Audio-Hardware und weiteres Konsolen- und PC-Peripherie-Equipment. Die deutsche Tochtergesellschaft mit Sitz in Bergheim verantwortet das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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