Discord führt „Teen-by-Default“-Einstellungen weltweit ein – Altersprüfung wird Standard

Discord rollt ab Anfang März 2026 weltweit neue Jugendschutzmechanismen aus. Künftig werden alle neuen und bestehenden Accounts standardmäßig als Jugendkonten geführt. Der Zugang zu altersbeschränkten Inhalten, Servern und Funktionen ist damit an eine Altersbestätigung geknüpft. Das Unternehmen spricht von einem global einheitlichen Sicherheitsrahmen, der altersgerechte Nutzungserfahrungen gewährleisten soll.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Discord ein entsprechendes Modell in Großbritannien und Australien eingeführt. Nun erfolgt die internationale Umsetzung.

Altersprüfung über KI-Modell, Selfie oder Ausweis

Zentraler Bestandteil der Umstellung ist ein mehrstufiges Verfahren zur Alterseinstufung. In vielen Fällen erfolgt diese automatisiert über ein internes KI-Modell. Dieses analysiert Verhaltensmuster und kontobezogene Signale, um Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Altersgruppe zuzuordnen. Laut Discord werden Inhalte privater Nachrichten dabei nicht ausgewertet.

Nur wenn das System keine eindeutige Einstufung vornehmen kann oder wenn altersbeschränkte Bereiche aktiv genutzt werden sollen, wird eine zusätzliche Verifikation erforderlich.

Hier stehen zwei Optionen zur Verfügung:

  • Gesichtsschätzung per Video-Selfie:
    Nutzer nehmen ein kurzes Video ihres Gesichts auf. Die Altersschätzung erfolgt nach Angaben des Unternehmens vollständig auf dem Endgerät. Das Videomaterial verlässt das Gerät nicht; an Discord wird ausschließlich die ermittelte Altersgruppe übermittelt.
  • Ausweisbasierte Bestätigung:
    Alternativ kann ein staatlich ausgestelltes Ausweisdokument über einen externen Dienstleister geprüft werden. Die Dokumente werden temporär verarbeitet und laut Discord in der Regel unmittelbar nach Abschluss gelöscht. Auch hier erhält Discord nur die Information über die Altersgruppe, nicht die Identität.

Die Altersklassifizierung ist für andere Nutzer nicht sichtbar und kann im Account-Bereich eingesehen oder angefochten werden.

Konkrete Änderungen für Accounts

Mit der globalen Umstellung werden mehrere Funktionen standardmäßig eingeschränkt:

  • Altersbeschränkte Server, Channels und App-Kommandos sind nur für bestätigte Erwachsene zugänglich.
  • Sensible Bild- und Videoinhalte werden zunächst unscharf dargestellt. Eine Deaktivierung ist Erwachsenen vorbehalten.
  • Direktnachrichten von unbekannten Accounts landen standardmäßig in einem separaten Posteingang.
  • Das Sprechen auf Bühnen („Stage Channels“) ist nur für verifizierte Erwachsene möglich.
  • Freundschaftsanfragen von unbekannten Konten werden mit Warnhinweisen versehen.

Die eingesetzten Medienfilter beziehen sich ausschließlich auf Bilder und Videos. Textnachrichten, Sprachkanäle und Anrufe werden laut Unternehmen nicht analysiert.

Einordnung im regulatorischen Kontext

Die Einführung der „Teen-by-Default“-Architektur ist auch vor dem Hintergrund verschärfter regulatorischer Anforderungen zu sehen. Plattformbetreiber stehen zunehmend unter Druck, den Zugang Minderjähriger zu sensiblen Inhalten technisch zu begrenzen und altersgerechte Standardeinstellungen vorzusehen.

Discord betont, dass nur ein kleiner Teil der Nutzer aktiv eine Altersprüfung durchlaufen müsse. In der Mehrzahl der Fälle erfolge die Einstufung automatisiert. Gesichtsscans würden das Gerät nicht verlassen, Identitätsdokumente nur temporär verarbeitet.

Gleichzeitig dürfte die Kombination aus verhaltensbasierter Altersprognose und optionaler biometrischer Prüfung weiterhin Diskussionen zu Datenschutz, Transparenz und Fehlklassifizierungen auslösen – insbesondere im europäischen Rechtsraum.

Teen Council angekündigt

Begleitend kündigte Discord die Einrichtung eines „Teen Council“ an. Das Gremium aus 13- bis 17-jährigen Jugendlichen soll künftig beratend an Produktentscheidungen und Sicherheitsrichtlinien mitwirken. Bewerbungen sind bis Anfang Mai 2026 möglich.

Mit über 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern wird Discord die Alterssegmentierung damit strukturell in die Plattformlogik integrieren. Für Community-Betreiber, Entwickler und Moderationsteams ergeben sich daraus unmittelbare Auswirkungen auf Serverzugänge, Inhaltsfreigaben und Sicherheitsprozesse.

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