Gaming Disorder: Forschung untersucht Veränderungen bei problematischem Spielen

Problematische Internetnutzung und Gaming Disorder können mit Veränderungen in der Verarbeitung von Belohnung und Selbstkontrolle zusammenhängen. Das beschreibt der Duisburger Psychologe und Kognitionsforscher Matthias Brand in einem im Fachjournal Science veröffentlichten Perspektivbeitrag. Die Forschung kann dabei keine pauschale Aussage über alle Menschen treffen, die Videospiele nutzen.

Gaming Disorder ist eine medizinische Diagnose

Die Weltgesundheitsorganisation führt Gaming Disorder in der elften Fassung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten. Gemeint ist nicht eine hohe Spielzeit allein, sondern ein anhaltendes Muster mit Kontrollverlust, einer wachsenden Priorität des Spielens und negativen Folgen für Alltag, Beziehungen oder andere Lebensbereiche. Eine Diagnose kann nur durch qualifizierte Fachkräfte gestellt werden.

Brand fasst im Science-Beitrag den damaligen Forschungsstand zu problematischer Internetnutzung zusammen. Studien mit Verhaltensdaten und bildgebenden Verfahren weisen auf Unterschiede in Netzwerken hin, die an Belohnungsverarbeitung, Impulskontrolle und Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede festgestellte Veränderung durch das Spielen verursacht wird.

Ursachen und Behandlung bleiben komplex

Problematisches Gaming kann gemeinsam mit psychischen Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder Aufmerksamkeitsproblemen auftreten. Welche Faktoren zuerst bestehen und welche sich daraus entwickeln, lässt sich in vielen Untersuchungen nicht eindeutig trennen. Brand betont deshalb die Bedeutung einer differenzierten Diagnostik und einer Behandlung, die sich an der jeweiligen Person orientiert.

Für die Games-Branche ist die Abgrenzung wichtig: Viel Spielen ist nicht automatisch krankhaft. Entscheidend sind Kontrollverlust und konkrete Beeinträchtigungen im Alltag. Bei persönlicher Belastung sind medizinische oder psychotherapeutische Beratungsstellen die geeignete Anlaufstelle. Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.

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