Die Beschäftigten von SEGA of America haben am 10. Juli 2023 mit 91 zu 26 Stimmen für eine Gewerkschaft votiert. Damit ist die Allied Employees Guild Improving SEGA, kurz AEGIS-CWA, formell anerkannt. Sie wird von der Communications Workers of America vertreten und umfasst über 200 Mitarbeitende an den Standorten Irvine und Burbank in Kalifornien. Von den 170 abgegebenen Stimmen entfielen 91 auf das Ja-Lager, 26 auf das Nein-Lager, einige Stimmen blieben angefochten und wurden nicht gezählt.
Die neue Vertretung erstreckt sich über zahlreiche Abteilungen hinweg. Dazu gehören Brand Marketing, Games as a Service, Localization, Marketing Services, PD Ops, Product Development, Sales und Quality Assurance. Nach Angaben der CWA ist AEGIS-CWA damit die erste abteilungsübergreifende Gewerkschaft bei einem großen Spielepublisher in den USA und zugleich die nach Mitgliederzahl größte ihrer Art in der nordamerikanischen Spielebranche.
Abteilungsübergreifende Organisation statt Studio-Insellösung
Bisherige Organisierungserfolge in der US-Spieleindustrie betrafen meist einzelne Teams, etwa die Qualitätssicherung oder einzelne Studios. SEGA of America hebt sich davon ab, weil die Vertretung von Brand Marketing bis Produktentwicklung reicht und damit Voll- wie Zeitkräfte über verschiedene Funktionen hinweg einschließt. Für die CWA, die unter dem Dach der Kampagne Campaign to Organize Digital Employees arbeitet, ist das ein Modell mit Signalwirkung für weitere Publisher. Wie organisationsfreudig die Branche derzeit ist, zeigt sich auch daran, dass Rockstar-Beschäftigte eine eigene Gewerkschaft gründeten. Ein Mitglied der Belegschaft erklärte, durch die Gewerkschaft ließen sich die geschätzten Teile der Arbeit schützen sowie Leistungen, Bezahlung und Arbeitsplatzsicherheit für alle Beschäftigten stärken.
Tarifvertrag und Entlassungen im Frühjahr 2024
Nach dem Wahlsieg nahm AEGIS-CWA Verhandlungen über einen ersten Tarifvertrag auf. Dieser schrieb unter anderem Lohnerhöhungen, Rückrufrechte bei vorübergehenden Freistellungen, Abfindungsregeln und eine zeitlich begrenzte Zusage zu hybriden Arbeitsmodellen fest. Wenige Monate später, im März 2024, kündigte SEGA of America den Abbau von 61 Stellen am Standort Irvine an. Sämtliche betroffenen Beschäftigten waren gewerkschaftlich organisiert. Die Gewerkschaft gab an, früh von den Plänen erfahren und nachverhandelt zu haben. Sie sicherte je nach Betriebszugehörigkeit acht bis vierzehn Wochen Abfindung und erreichte, dass 18 Mitarbeitende ihre Stellen behielten. Ein bestehender Tarifvertrag verhindert größere Personalabbauten also nicht, beeinflusst die Konditionen für Betroffene aber spürbar. Auch die CWA selbst hat ihren Einfluss in der Branche zuletzt ausgebaut, etwa als ZeniMax-Mitarbeiter über eine Arbeitsneutralitätsvereinbarung mit Microsoft einbezogen wurden.
Die Angaben basieren auf der offiziellen Quelle.
