Possibility Space über Nacht geschlossen: Strain-Studio dicht ohne veröffentlichtes Spiel

Das verteilt arbeitende US-Studio Possibility Space ist am Morgen des 12. April 2024 per E-Mail an die Belegschaft geschlossen worden, ohne jemals ein Spiel veröffentlicht zu haben. Mutterhaus Prytania Media und Mitgründer Jeff Strain teilten den Mitarbeitenden mit, dass es ihr letzter Arbeitstag sei. Das 2021 gegründete Studio arbeitete dezentral und hatte Branchengrößen wie Austin Walker und Liz England an Bord. An einem AAA-Projekt mit dem internen Namen Project Vonnegut wurde rund zweieinhalb Jahre gearbeitet.

In der Schließungs-E-Mail führt Strain die Auflösung auf interne Leaks an die Presse zurück. Nicht-öffentliche Informationen zu Project Vonnegut, Details zum Verlagspartner sowie interne Diskussionen über Gewinn- und Verlustrechnungen seien an den Kotaku-Reporter Ethan Gach gelangt. Im Zuge der Gespräche über diese Leaks habe der Publishing-Partner geringes Vertrauen geäußert, weitere Mittel zur Fertigstellung des Spiels bereitzustellen. Daraufhin sei die Einstellung von Vonnegut einvernehmlich beschlossen worden. Den Bruch der Vertraulichkeitsvereinbarung durch eigene Teammitglieder bezeichnete Strain als zutiefst enttäuschend.

Zweite Prytania-Schließung binnen zwei Monaten

Possibility Space ist bereits die zweite Studio-Auflösung unter dem Dach von Prytania Media innerhalb kurzer Zeit. Das Schwesterstudio Crop Circle Games hatte im Februar 2024 Entlassungen und Beurlaubungen durchlaufen und wurde Ende März formell geschlossen. Beide Fälle gehören zur breiten Konsolidierungswelle der Spielebranche im Jahr 2024, in der zahlreiche Studios trotz prominenter personeller Besetzung und Wagniskapital im Rücken aufgeben mussten. Wie weit diese Welle reicht, zeigte zuletzt eine Erhebung, wonach rund 21 Prozent der europäischen Branchenkräfte binnen eines Jahres ihre Stelle verloren. Possibility Space hatte sich von Beginn an als dezentral organisiertes Studio mit einem ambitionierten AAA-Ziel positioniert, blieb aber ohne marktreifes Produkt.

Der Fall zeigt, wie verwundbar venturefinanzierte Neugründungen im Spielesektor sind. Ein extern finanziertes Studio bleibt auf das Vertrauen seines Verlags- oder Investitionspartners angewiesen, und ein Vertrauensverlust kann die Finanzierung eines noch nicht fertiggestellten Projekts abrupt beenden. Dass die Abwicklung über eine Morgen-E-Mail lief, wirft zudem Fragen zum Umgang mit Belegschaften auf. Die betroffenen Beschäftigten verloren ihre Anstellung ohne Vorwarnung. Selbst etablierte Konzerne sind davon nicht ausgenommen, wie die Streichung von 650 Stellen in Microsofts Gaming-Sparte belegt. Strain kündigte an, sich aus der Spielebranche zurückzuziehen. Die Hintergründe zu den geleakten Informationen waren Gegenstand der Berichterstattung von Kotaku.

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