Tencent übernimmt Mehrheit am Dying-Light-Entwickler Techland

Der polnische Entwickler Techland, bekannt durch die Reihen Dying Light und Call of Juarez, hat am 24. Juli 2023 angekündigt, dass Tencent zum Mehrheitsgesellschafter des Studios wird. Die finanziellen Konditionen wurden offiziell nicht genannt. Gründer und Geschäftsführer Pawel Marchewka bleibt als CEO im Amt und führt das Unternehmen weiter. Laut der Mitteilung behält Techland das volle Eigentum an seinen geistigen Schutzrechten sowie die kreative und operative Kontrolle.

Eine konkrete Größenordnung lieferten erst später externe Analysten. Im M&A Index Poland für 2023, erstellt von Navigator Capital und Fordata, wird die Transaktion auf rund 6,3 Mrd. PLN (etwa 1,58 Mrd. USD) und einen Anteil von 67 Prozent geschätzt. Damit ist die Übernahme von Techland nach dieser Auswertung die größte M&A-Transaktion des Jahres 2023 auf dem polnischen Markt. Zum Vergleich nennt der Bericht die Übernahme des Wettanbieters STS Holding durch Entain mit geschätzten 3,9 Mrd. PLN als zweitgrößten Vorgang. Es handelt sich bei diesen Werten um Schätzungen der Analysten, nicht um von den Parteien bestätigte Zahlen.

Tencents Beteiligungsstrategie in Europa

Der Einstieg bei Techland ist Teil der seit Jahren verfolgten Beteiligungspolitik von Tencent. Der Konzern hat sich in westlichen und osteuropäischen Studios eingekauft, von Mehrheitsbeteiligungen bis zu kleineren Anteilen, und setzt dabei häufig auf den Erhalt bestehender Strukturen statt auf vollständige Integration. Im Fall Techland bedeutet das den fortgesetzten Verbleib der Marken Dying Light und Call of Juarez im Studio sowie die Weiterführung der laufenden Projekte unter unveränderter Leitung. Dass die Reihe Dying Light auch danach weitergeführt wurde, deckt sich mit dieser Linie.

Für Tencent erschließt die Beteiligung Zugang zu einem etablierten Studio mit eigener Open-World-Technologie und einer Marke, die sich über mehrere Titel hinweg am Markt behauptet hat. Das Modell, Studios mit ihren Schutzrechten und ihrer kreativen Autonomie weitgehend eigenständig agieren zu lassen, weicht von Vollintegrationen ab, wie sie andere Branchenakteure verfolgen.

Techland und der polnische Markt in der Branchenkonsolidierung

Der Vorgang reiht sich in die anhaltende Konsolidierung der Spielebranche ein, bei der große Plattform- und Technologiekonzerne ihre Reichweite über Beteiligungen an Entwicklerstudios ausbauen. Der polnische Markt mit Anbietern wie CD Projekt oder Techland gilt dabei als Standort mit international konkurrenzfähiger Produktion. Dass die bislang größte polnische M&A-Transaktion eines Jahres aus der Spielebranche stammt, sagt einiges über das wirtschaftliche Gewicht des Sektors innerhalb der Region.

Wie sich die Beteiligung mittelfristig auf die Entwicklung der Spiele auswirkt, ist noch nicht erkennbar. Die zugesicherte Bewahrung der Eigenständigkeit und der Schutzrechte steht im Zentrum der Kommunikation, die tatsächliche Steuerungswirkung einer Mehrheitsbeteiligung zeigt sich erst an künftigen Entscheidungen. Spätere Veröffentlichungen wie der erfolgreiche Launch von Dying Light: The Beast lassen sich daran messen. Die geschätzten Transaktionswerte stammen ausschließlich aus der Analyse von Navigator Capital und Fordata.

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